Aktuelles

Regionale Öko-Landwirtschaft

Ein Besuch bei der Familie Tutsch in Gföhret bestärkt unser nachhaltiges Denken und Tun. Was bedeutet biologische Landwirtschaft und mit welchem Aufwand ist sie verbunden? Hier gibt’s interessante (Hintergrund-)Infos.

Die aktuelle Krise zeigt uns schonungslos den Wert
regionaler Verlässlichkeit und ehrlicher Rohstoffe auf.
Natürlichkeit, Nachhaltigkeit und traditionelles Handwerk
gewinnen landauf, landab wieder neue Bedeutung.

BIO IN DER LANDWIRTSCHAFT

Wir haben im Sommer 2019 den Biohof der Familie Tutsch in Gföhret bei Fürstenzell besucht, um direkt vor Ort die nachhaltige Rohstoff-Herstellung zu sehen. Dort wird seit knapp 25 Jahren aus ideellen Gründen eine biologische Landwirtschaft betrieben, mit der Natur gearbeitet und gelebt. Die Beweggründe waren immer schon, einen nachhaltigen Acker zu bewirtschaften –  völlig unabhängig von wirtschaftlichen Trends. Hier werden Kulturlandschaft und Artenvielfalt geschützt. Erneuerbare Energien genutzt. Und Rückstände im Trinkwasser vermieden. Der Austausch mit Gleichgesinnten war und ist uns immer noch wichtig. Wir danken an dieser Stelle herzlich Florian Tutsch für seine Zeit und Darlegung seiner Sichtweise.

KURZE WEGE

Was neben dem Bio-Aspekt noch wichtig ist, ist die Regionalität. Die Abnehmer der Familie Tutsch sind alle in unmittelbarer Nähe. So kommt es dann auch dazu, dass das Endprodukt Mehl im Endeffekt in einer nahe gelegenen Bio-Bäckerei verarbeitet wird, wo wiederum Tutsch sein Brot für die Familie und den privaten Verbrauch einkauft. Der Kreis schließt sich, indem er selbst der Erzeuger und Konsument ist. Regionalität in Kombination mit Bio und top Qualität stellt das neue High-end-Produkt da.

„Regionalität in Kombination mit Bio und
top Qualität stellt das neue High-end-Produkt da.“

“KOMMERZIELLES” BIO DER DISCOUNTER

Der aktuelle Bio-Trend der Konsumenten sorgt für eine gewisse Bio-Offensive der Supermärkte und Discounter. Bekannte Anbieter wie Lidl oder Aldi haben allesamt schon eine eigene kleine Biokette im Sortiment, welche sie verkaufen. Obwohl die Sache an sich gut ist, gilt es jedoch die Art und Weise kritisch zu hinterfragen. Die Dimensionen der großen Supermärkte sind enorm und führen dazu, dass bei der Entstehung von Bioprodukten sehr viele Akteure mitspielen. Die Wertschöpfungskette ist riesig. Und je mehr Akteure dabei sind, desto wirtschaftlicher muss gehandelt werden. Oftmals wird der Preis für die Ernte beim Bauern gedrückt, damit die anderen Zwischenhändler gezahlt werden können. Die mit dem Produzieren verbundene Globalisierung führt vermehrt zu vermeidbaren Transportkosten, die alles andere als nachhaltig sind. 

VORBILDFUNKTION DES BIO-LANDWIRTS

Durch sein nachhaltiges Handeln denkt Tutsch ohne jegliche Arroganz ein Vorbild für umliegende Bauern zu sein. So ist zum Beispiel ein langjähriger benachbarter Freund, der auch einen Betrieb hat, erst kürzlich nach vielen Gesprächen über Nachhaltigkeit auf bio umgestiegen. Insofern leistet Tutsch sehr wohl Pionier-Arbeit. Sein Geschäftspartner, der seine Felder bewirtschaftet, hat teilweise auch schon seine Denkweisen und Handlungen geändert.

Zum Beispiel hinsichtlich der Art und Zusammensetzung der Zwischenfrüchte. Zwischenfrüchte stehen nach dem Abernten der Hauptfrucht zur Begrünung auf dem Feld, der Sinn und Zweck ist vielfältig: Futtergewinnung, Erosionsschutz, Unkrautregulierung, Humusaufbau, Stickstoffbindung,
uvm. Klassiker der Zwischenfrüchte in der konventionellen Landwirtschaft sind dabei Senf oder Raps, und zwar oftmals Monokulturen. Jeder wird die im Herbst typisch gelb- oder weiß-blühenden Felder kennen. In der Ökolandwirtschaft kommen in der Regel Mischungen mit einer Vielzahl von Pflanzen (bei Florian Tutsch circa zehn) zum Einsatz. “Diese kosten zwar mehr, die Vorteile gleichen dies jedoch locker aus!”, erklärt er.

WARUM IST BIO TEURER ALS KONVENTIONELLE PRODUKTE?

Der Ertrag konventioneller Landwirtschaft ist deutlich höher als der von biologischer Landwirtschaft. Es ist schwierig zu sagen, wie viel niedriger, da die Erntemenge je nach Produkt unterschiedlich ist und von vielen Faktoren beeinflusst wird. “Dieses Weizenfeld zum Beispiel hat über die letzten drei Jahre beobachtet leider eine unterdurchschnittliche Erntemenge eingebracht.”, erklärt er uns. Die Ertragserwartung ist stark schwankend und abhängig von der Frucht und vom Standort.

Biologische Pflanzen würden meistens ungleichmäßiger und nicht so konstant wie konventionelle wachsen. Die Körnergröße des biologischen Produkts wären oftmals unterschiedlich und teilweise vergleichsweise klein, weshalb viele kleine Körner im Zuge wieder “aussortiert” werden. Die für den Weiterverkauf ungeeigneten Körner werden übrigens zu 100 % weiterverarbeitet und landen nicht im Müll, was für den Aspekt der Nachhaltigkeit spricht. Sie werden zur Fütterung der Tiere und als Einstreu verwendet. 

Was unterscheidet optisch ein Biofeld von einem konventionellen? Von weitem kann man das oftmals nicht erkennen, da es auch Ökoflächen mit einem gleichmäßigen Aufwuchs der Pflanzen gibt und sie kein Wurzelkraut wie Ampfer und Distel haben. Bei näherer Betrachtung erkennt man das Biofeld durch das Vorkommen von Bewuchs im Hauptbestand sowie der niedrigen Ertragsdichte. Es kann auch vorkommen, dass sich ein Biofeld durch ungleich hohe Pflanzen; teilweise Löcher; Zwischenfrüchte im Feld wie Ampfer, Gras, Klee, Ackerbohne bzw. auch stark wurzelnde/schädliche Früchte wie Disteln auszeichnet – zum Leidwesen der Landwirte. Nach dem Mähen der Hauptfrucht bleiben die kurzen Pflanzen wie Gras und Klee auf dem Ackerboden stehen und bereichern diesen mit Nährstoffen. Darüber hinaus schützen Wurzeln der Untersaat den Boden bei möglicherweise auftretenden Regenperioden vor Erosion. Die Untersaat wird optional als Zwischenfrucht in die wachsende Hauptfrucht eingesät.

Es wird eine biologische Fruchtfolge ausgearbeitet, die den Boden nicht auslaugt und durch Variation der Pflanzen nährstoffreich hält. Herr Tutsch zum Beispiel baut im Wechsel Weizen, Hafer und Klee an. Im konventionellen Landbau kommen deutlich weniger diverse Fruchtfolgen vor. In unserer Region wären das meistens Mais, Weizen und Gerste. Darüber hinaus muss beachtet werden, dass die Ernte wegen des Wetters extremen Schwankungen unterliegt. Biologischer Anbau wird, wenn verfügbar, mit biologischem Dünger wie z.B. Mist oder Gülle angereichert. Auch die Zugabe anderer Stoffe wie Kalk, Schwefel, Bodenhilfsstoffe und Spurenelemente ist in der Regel nach Bodenproben und unter Einschränkungen erlaubt. Konventionellen Ackerboden wird häufig Kunstdünger wie Stickstoff zugeführt, der die Pflanzen wachsen lässt. Schädlinge werden hier durch Pestizide abtötet. 

Da Florian Tutsch Vollzeit in der Elektronikentwicklung in Regensburg tätig ist, liegt die Besonderheit auf seinem Betrieb darin, dass er einen Vertrag mit einem benachbarten konventionellen Landwirt hat. Als reines Hobby gelte die Landwirtschaft aber nicht: “Das wäre definitiv zu aufwändig. Wir arbeiten gewinnbringend und durch unsere neu gewonnenen Erkenntnissen können auch die Bauern ringsum davon profitieren,” so der Bio-Landwirt. Der Partner bewirtschaftet nach dem Bioplan von Tutsch dessen Felder.

Der Biobauer baut seine Pflanzen erst an, wenn er einen Abnehmer gefunden hat, der die Ernte abkauft und einen Vertrag mit ihm eingegangen ist. Alles ist im Voraus geplant und klar. So wird vermieden, dass die Ernte für einen unwürdigen Schleuderpreis verkauft wird. Trotz allem ist der Biobetrieb auch ein wirtschaftlicher Betrieb, der ökonomisch gut handeln muss und sich so positionieren muss, dass er Gewinn erwirtschaftet. Der Erwerb bzw. der Verkaufspreis von biologischen Produkten ist höher als der von konventionellen Produkten – was sich auch im Endpreis unseres Bio-Exports widerspiegelt. Beispielsweise ist der Bio-Weizen von Familie Tutsch für die Abnehmer vergleichsweise ungefähr dreimal so teuer wie welcher aus konventionellen Anbau. Insgesamt sieht das bei anderen Getreidesorten im Einzelfall deutlich anders aus. 

Das Bio-Angebot ist schon wirklich gut ausgebaut.
Jetzt liegt es am Verbraucher, nachzuziehen,
damit Bio in der Landwirtschaft weiterhin ausgebaut werden kann.

Zukunft, Wünsche und Ausblick

Herr Tutsch selbst wünscht sich (neben natürlich stets passendem Wetter!), dass vor allem öffentliche Einrichtungen ihre Einstellung ändern. Zum Beispiel wäre es toll, wenn das Essen in Mensen und Kantinen regional bezogen wird. Natürlich wäre es auch super, wenn das regionale Essen gleichzeitig bio ist. Es ist interessant, dass er das regional vor biologisch zieht. 


Der Brauereidirektor der Brauerei Hacklberg Stephan Marold wünscht sich eine Bewusstseinsschärfung der Bevölkerung und Konsumenten. Er konkretisiert, dass jeder Einzelne für die Umwelt auf Komfort verzichten kann und soll. Zum Beispiel muss nicht jeder allein im Auto zur Arbeit fahren, wenn es auch mit dem Rad möglich wäre. 


Wo sich alle einig sind, ist, dass die Politik auch etwas ändern sollte. Dennoch sollte der Einzelne nicht auf die politischen Entscheidungen und damit einhergehenden Änderungen hoffen, sondern einfach selbst bei sich anfangen.

Das Bio-Angebot ist schon wirklich gut ausgebaut. Jetzt liegt es am Verbraucher, nachzuziehen, damit Bio in der Landwirtschaft weiterhin ausgebaut werden kann. 

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